Beratung gilt in vielen Branchen als Standard, wenn es um die Verbesserung von Prozessen geht. Doch traditionelle Modelle stoßen an ihre Grenzen. Projekte dauern zu lange, kosten zu viel und liefern oft Berichte statt Ergebnisse.
Albert Schiller erklärt, warum ein strukturierter, produktbezogener Ansatz besser an die industriellen Gegebenheiten angepasst ist.
Herr Schiller, warum scheitern traditionelle Beratungsprojekte so oft?
Der Hauptgrund liegt in der Art der Methode. Traditionelle Beratung arbeitet projektbezogen - mit maßgeschneiderten Konzepten, vielen Workshops, endlosen Abstimmungen und oft einem unklaren Fokus. In einer Fabrik, in der täglich Entscheidungen über Schichtplanung, Material oder Wartung getroffen werden, ist diese Langsamkeit ein Problem. Die Ergebnisse kommen zu spät, um noch relevant zu sein. Darüber hinaus trägt der Kunde in der Regel das volle Risiko: Selbst wenn nichts umgesetzt wird, gelten die Tagessätze weiter. Das führt zu Frustration. Das Bedürfnis ist heute ein anderes: klare Abläufe, transparente Ergebnisse und schnell wiederholbare Methoden.
Wie unterscheidet sich der XPNX-Ansatz davon?
Wir verstehen Effizienz nicht als Beratungsleistung, sondern als Produkt. Das bedeutet: standardisierte Schritte, definierte Phasen, klare Erwartungen. Es gibt keine "maßgeschneiderte" Analyse, die jedes Mal neu erfunden wird, sondern eine bewährte Methodik, die auf umfangreichen industriellen Erfahrungen beruht. Das spart Zeit und verringert die Unsicherheit. Wichtig ist, dass Standardisierung nicht bedeutet, dass alle Anlagen gleich sind - es bedeutet, dass der Weg zur Erkenntnis gleichermaßen zuverlässig ist.
Was ist erforderlich, damit solche Ansätze erfolgreich sind?
Vor allem: Akzeptanz. Ein Betrieb muss verstehen, dass Transparenz kein Risiko, sondern eine Chance ist. Wenn Daten sichtbar sind, wächst das Vertrauen in die Methode. Sie erfordert auch Beständigkeit - nicht nur eine einmalige Analyse, sondern eine ständige Überprüfung. Das ist das Wesen von produktiven Modellen: kurze Zyklen, schnelle Lernschleifen.
Praktisches Beispiel
Ein mittelgroßes Chemiewerk investierte 450.000 € in eine traditionelle Effizienzberatung. Nach einem Jahr gab es viele Präsentationen - aber wenig Umsetzung. Die OEE verbesserte sich nur um einen Prozentpunkt - ein Bruchteil des Potenzials. Mit einem produktbezogenen Ansatz hätte das Werk innerhalb von drei Monaten messbare Quick Wins erzielen und dabei deutlich weniger Geld riskieren können.
Schlussfolgerung
Traditionelle Beratung liefert Konzepte. Produktorientierte Ansätze liefern Orientierung und Vergleichbarkeit. In einer Zeit, in der Ressourcen knapp sind und Märkte sich schnell bewegen, zählt das mehr als Volumen und Folien.
Ausblick
Die Zukunft gehört Ansätzen, die risikoarm, schnell und transparent sind. Unternehmen stehen langen Projekten ohne klaren ROI zunehmend kritisch gegenüber. Wer es mit der Effizienzsteigerung ernst meint, muss den Mut haben, über die traditionelle Beratung hinauszugehen und sich auf neue, produktbezogene Modelle einzulassen.
